SipplistErlaeuterung.html

Liste der Farn- und Blütenpflanzen Niederbayerns

(Stand 14.02.2005)

Aquarell von Wally Wukowitz, Oberaudorf: Rindsauge, Große Sterndolde, Wald-Erdbeere, Tauben-Skabiose und Zittergras

Die unten wiedergegebene Rote Liste liegt in wesentlich ausführlicherer Form gedruckt vor: Band 62 der Zeitschrift Hoppea, Denkschriften der Regensburgischen Botanischen Gesellschaft, S. 5-347 (siehe Literatur). So enthält sie einen sehr umfangreichen Fußnoten-Teil und eine ausführlichere Einleitung.

Die Liste ist genau genommen keine Arten-, sondern eine Sippenliste: Während die Art als Grundeinheit des botanischen Systems einen bestimmten, festgelegten Rang einnimmt, wird mit „Sippe“ eine rangmäßig beliebige (taxonomische) Einheit bezeichnet. So kann eine Sippe (ein Taxon) z. B. eine Gattung, Sektion, Unterart, Varietät oder Form sein.

Die Liste enthält 1927 einheimische Sippen (also Arten, Unterarten oder Varietäten), zu denen neben den alteinheimischen auch viele eingebürgerte gehören. Mitgezählt sind die Sippen, die im Zeitraum seit 1800 einheimisch waren, aber mittlerweile erloschen sind. 1741 Sippen erfüllen Traditionskriterien die zumeist verlangen, dass sie schon mindestens 50 Jahre in Niederbayern als sich selbst fortpflanzende Wildpflanzen eingebürgert sind. 186 Sippen von den 1925 sind noch nicht tradiert, sondern lediglich eingebürgert. Von den tradierten Sippen werden 1592 als alteinheimisch betrachtet, 149 dagegen als Neubürger (Neophyten, Neochoren). Zusätzlich enthält die Liste eine Auswahl an unbeständigen Sippen und Bastarden – speziell die mit veröffentlichten Fundorten. Weitere Unbeständige sind in einer eigenen Liste zusammengestellt.Erläuterungen

Spalte Häufigkeit:

 

Aktuell keine Wildvorkommen bekannt oder zumindest nicht eingebürgert:

 

– = Literaturangaben über Wildvorkommen in Niederbayern nach 1800 unglaubwürdig oder Sippe nicht wildwachsend, sondern nur angesät oder -gepflanzt

+? = gegenwärtig verschollene Sippe: im Zeitraum seit 1800 zumindest vorübergehend heimisch (alteinheimisch oder eingebürgert), aber keine Fundorte bekannt. Wiederfund denkbar

+ = Sippe war im Zeitraum seit 1800 heimisch (alteinheimisch oder eingebürgert), ist aber inzwischen erloschen (einschließlich Sippen, bei denen es zumindest möglich scheint, daß sie eingebürgert waren)

[+] = nach Erlöschen der Wildvorkommen Wiederansiedlung von autochthonen Pflanzen erfolgt, die sich jedoch im Gelände noch nicht vermehrt haben

(–) = Sippe heute oder zumindest früher (d. h. zwischen jetzt und 1800) in Niederbayern zwar (auch) wildwachsend, aber nicht eingebürgert

?? = unklar, ob tatsächlich gegenwärtig oder in der Zeit ab 1800 als Wildpflanze in Niederbayern sowie Sippen, die in Niederbayern vermutet werden, von denen aber kein Nachweis bekannt ist.

 

Aktuelle Häufigkeit alteinheimischer oder eingebürgerter Sippen (nachgestelltes Fragezeichen bedeuet Vermutung):

 

ss = äußerst selten („Kleinstareal“) = < 1 % der Meßtischblatt-Quadranten mit Vorkommen, d. h. 1 – 3, bei Vorkommen in Benachbarungsfällen bis 4 Quadranten

SS = sehr selten („sehr kleines Gebietsareal“) = 1 % bis 3 % der Meßtischblatt-Quadranten, d. h. 4 – 10, bei Vorkommen in benachbarten Quadranten 5 – 12

s = selten („Kleinareal“) = 3 % bis 10 % der Meßtischblatt-Quadranten mit Vorkommen, d. h. 11 bzw. 12 oder 13 – 33 (von hier ab keine Berücksichtigung der Benachbarungsverhältnisse mehr)

zs = ziemlich selten („ziemlich kleines Gebietsareal“) = 10 % bis 25 % der Meßtischblatt-Quadranten mit Vorkommen, d. h. 34 – 82

mh = mäßig häufig („ziemlich großes Gebietsareal“) = 25 % bis 50 % der Meßtischblatt-Quadranten mit Vorkommen, d. h. 83 -164

h = häufig („großes Gebietsareal“) = 50 % bis 90 % der Meßtischblatt-Quadranten mit Vorkommen, d. h. 165 – 295

hh = sehr häufig („sehr großes Gebietsareal“) = > 90 % der Meßtischblatt-Quadranten mit Vorkommen, d. h. mindestens 296

 

Spalte Einbürgerungszeit (nachgestelltes Fragezeichen bedeutet große Unsicherheit):

 

a = urwüchsig oder alteinheimisch im Sinne von: erst im Holozän, aber bereits in prähistorischer Zeit eingebürgert

m = langfristige Einbürgerung erfolgte vermutlich im Zeitraum Römerzeit bis Ende Mittelalter (Entdeckung Amerikas; ca. 1500 n. Chr.)

f = „frühneochor“ (Einbürgerung zwischen 1500 und 1800 n. Chr.)

j = „jungneochor“ (Einbürgerung in Niederbayern nach 1800)

ur = florengeschichtliche Relikte, z. B. Eiszeitrelikte oder wärmezeitliche Relikte: Urwüchsige, die während oder nach der Eiszeit wesentlich verbreiteter waren als heute, wobei ihr Areal bereits ohne menschliches Zutun auf kleine Reste zusammengeschrumpft ist

< = (als Zusatzsignatur): auch in jüngeren Zeiträumen als dem angegebenen Zeitraum eingeschleppt oder verwildert

> = (als Zusatzsignatur): auch aktuell Einschleppung, Verwilderung oder Ansalbung

?? = unklar, da Literaturangabe für Niederbayern fragwürdig oder noch kein Nachweis bekannt

– = im Zeitraum seit 1800 zumindest nicht als heimische oder eingebürgerte Sippe vorhanden.

 

Sippen-Spalte: Hier werden für den Zeitraum zurück bis 1800 durch den Druckmodus der Einbürgerungsgrad und durch Einrückungen der taxonomische Rang ausgedrückt.

Die wissenschaftlichen Sippenbezeichnungen und der Grad der taxonomischen Differenzierung folgen im wesentlichen der Standardliste der Bundesrepublik Deutschland (Wisskirchen & Haeupler 1998). Gelegentlich werden zusätzliche infraspezifischen Taxa berücksichtigt; diese sind dann in Anführungszeichen gesetzt. Gebräuchliche Synonyme stehen mit Dünndruck in Klammern.

 

Fettdruck: Traditionskriterien (s. o.) erfüllt (damit relevant für die Rote Liste)

() Fettdruck: eingebürgert, doch Traditionskriterien möglicherweise nicht erfüllt (vorsorgliche Berücksichtigung bei der Roten Liste)

Normaldruck: zwar eingebürgert (s. o.), aber die übrigen Traditionskriterien nicht erfüllt

() Normaldruck: zwar Wildpflanzenvorkommen, aber die Einbürgerungskriterien möglicherweise nicht erfüllt

[Normaldruck] und eckige Klammen: keine eingebürgerten oder alteinheimischen Vorkommen, jedoch auch wildwachsend

?? Normaldruck in Normalgröße: Entweder fraglich (aber denkbar), daß die Sippe in Niederbayern wildwachsend auftritt oder im Zeitraum zurück bis 1800 auftrat oder aus Niederbayern noch kein Nachweis bekannt, aber in seiner Nachbarschaft vorhanden und damit zu erwartendurchgestrichen: unglaubhafte oder nachweislich falsche Angabe

* vorangestellt = sog. Zwischenart (voll fortpflanzungsfähige hybridogene Sippe)

Sippenbezeichnung= bei Wisskirchen & Haeupler 1998 nicht als eigenständige Sippe aufgeführt(Dünndruck) und in runden Klammern: gebräuchliches Synonym (Taxon A à Taxon B)

Gattungsname ´ Artepitheton, dünner Druck und Anordnung am Ende der Gattung oder des Artenkollektivs: Bastard (Hybride).

Wenn im Gebiet mehrere sogenannte(Klein-)Arten aus Artenkollektiven (Zusatz: agg. = Aggregat) oder mehrere Unterarten (gelegentlich auch Varietäten, var.) innerhalb einer Art im Gebiet nachgewiesen wurden oder vorkommen können, sind sie nach dem übergeordneten Taxon aufgeführt und diesem gegenüber eingerückt. Wo nur mit einer Art aus einem Artenkollektiv oder nur einer Unterart (ssp.) aus einer Art in Niederbayern zu rechnen ist, wird auf die Angabe der übergeordneten Sippe verzichtet. Die gleichzeitige Nennung einer Art und des Artenkollektivs bzw. von nur einer Unterart und der Art bedeutet, daß weitere Klein- oder Unterarten in Niederbayern zu erwarten sind.

Bei Unterarten und Varietäten verzichte ich entgegen der korrekten Schreibweise auf die zusätzliche Angabe des Autors der Art, da die Sippe auch so schon eindeutig definiert ist und der Originalbeschreibung zugeordnet werden kann.